Elija hat mich voll erwischt.

Mit Elija unter’m Ginster.

Manchmal denke ich: Das Leben ist zu schwer für mich. Meine Kraft reicht nicht, nicht für meine Kinder und meine Familie, schon gar nicht für ein Leben in dieser verrückten Welt, überhaupt nicht für mich selbst. Dann falle ich tief. Zum Glück bin ich schon so alt, dass ich mir meiner Gefühle und Gedanken und der Konsequenzen bewusst werden kann. Ich finde Hilfe im Sport, in Büchern, im Austausch, bei meinen Ärzten in der Klinik. Oder in der Kirche. Im Moment ist so eine Zeit.

Ich schaue meinen (letzten) Konfi-Sohn an, freue mich, dass er schon selbstständig durchs Leben geht, so groß geworden ist. Bald braucht auch er mich nicht mehr. Und ich kann gehen, drängt sich ein abgelegt geglaubter Plan in mein Hirn. Dann bin ich bei Elija unterm Ginsterstrauch. Doch halt!, diese Gedanken verbieten sich, das macht man nicht, dieses Denken und Fühlen ist nicht erlaubt. Erst recht nicht angesichts dessen, dass anderswo Menschen ums Überlegen kämpfen müssen.

Mit meinem Konfi-Sohn lande ich zum Befüllen seiner Stempelkarte im Gottesdienst. Die Predigt ist so sehr meine, dass mir die Tränen kommen: Elija legt sich im Sehnen auf das Ende nieder unter’m Ginsterbusch. Aber Gott lässt ihn nicht alleine, schaut sogar mehrfach bei ihm vorbei, ja, bringt ihn zum Weitermachen. Mit Dank an die Maske im Gesicht, mit deren Hilfe ich mir keine Blöße geben muss als emotionales Bündel, lausche ich der Pfarrer’schen Auslegung: In Elija ist außerdem ein Sehnen nach dem Leben, daran rührt Gott – und Elija läuft los.

Ich fühle mich plötzlich sicher in dieser wunderschönen Kirche, neben meinem Sohn, lasse mich umfangen von der Musik und öffne mein Herz: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein… Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir… Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft …“ Wieder einmal hatte ich das Glück, zur richtigen Zeit am für mich richtigen Ort zu sein. Zuversicht, Hoffnung, eine Spur Mut fühle ich. Zufall? Vielleicht. Möglich, dass Gott die Hand über mich hält, damit ich noch eine Weile weiter laufen kann. Danke.

 

BasisBibel (BB): Der Prophet Elija am Gottesberg; 1. Könige 19,1-8: Elija wünscht sich den Tod und wird gestärkt

Lied NL 116: Da wohnt ein Sehnen tief in uns

Kathrin Fechner
Kathrin Fechner
fressbefreit@gmail.com

Kathrin Fechner ist Rheinländerin in Stuttgart, außerdem leidenschaftliche Schreiberin zu vielen Themen, die sich insbesondere aus ihrem turbulenten Familienleben mit 3 pubertierenden Söhnen, ihrer Sportbegeisterung und ihrer persönlichen Gesundheitsbiografie ergeben. Kathrin leistet glücklich Hintergrundarbeit im kirchlichen Dienst.

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