“Corona hat uns erkennen lassen, dass wir weglassen müssen und dürfen”

Ute Fritz ist seit vielen Jahren in der evangelischen Frauenarbeit engagiert. Wir haben mit ihr über die Arbeit im Bezirksarbeitskreis Frauen (BAF) Biberach und die Herausforderungen der Corona-Zeit gesprochen.

Frau Fritz, berichten Sie uns doch kurz, seit wann und auf welche Weise Sie sich ehrenamtlich in der evangelischen Frauenarbeit engagieren. 

Begonnen hat mein Engagement nach der Geburt unseres ersten Sohnes. Zusammen mit einer Erzieherin haben wir eine weitere “Mutter-Kind-Gruppe” gegründet. Damals gab es keine Kita, und der Kindergarten hatte feste Öffnungszeiten von 8.00 bis 11.30 Uhr, nachmittags nur in Ausnahmen. Zehn Jahre habe ich die Gruppe geleitet, danach habe ich viele Jahre im Kinderkirch-Team mitgewirkt. Da ich sowohl im Kirchenchor als auch sonst in der Kirchengemeinde engagiert war, sprach mich die Pfarrerin an, ob ich nicht mit ins Team des Weltgebetstags (WGT) möchte. 1996 habe ich dann zum ersten Mal den WGT vor Ort mit organisiert. In meiner Kirchengemeinde bin ich vor allem im WGT engagiert, da es bei uns lediglich einen Gustav-Adolf-Frauenkreis gibt, der seit 40 Jahren unverändert ist. 2011 kam ich dann zum Team des Bezirksarbeitskreises Frauen (BAF) Biberach dazu. Wir waren ein großes Team und haben im Bezirk viele Angebote gemacht. Seit 2014 bin ich Mitglied im Fachausschuss Glaube und Gemeinde der Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW).

Was hat sich in Ihrem Engagement in der evangelischen Frauenarbeit während der Pandemie verändert? Was war schwierig und was – vielleicht überraschenderweise – besonders schön?

Es fehlten die persönlichen Kontakte, zu anderen Frauen und auch im Team selbst. Veranstaltungen konnten nicht stattfinden und Planungen waren sehr schwierig. Leider ist in dieser Zeit durch Wegzug unser Team geschrumpft. Wir sind nur zu dritt, und da wir in einem sehr großen Kirchenbezirk angesiedelt sind, sind die Wege zueinander sehr lang.

Corona hat uns dazu gezwungen, darüber nachzudenken, welche Dinge wir überhaupt noch durchführen können. Und uns vor Augen geführt, dass nicht alles, was wir uns wünschen, in Zukunft mehr möglich sein wird.  Es hat uns erkennen lassen, dass wir weglassen müssen und auch dürfen.
Schön war die Erfahrung, dass es möglich ist, mit den heutigen technischen Möglichkeiten die WGT-Vorbereitungen auch ohne Präsenz durchzuführen.
Besonders schön ist es aber nun, dass wir uns wieder in den Teams treffen können.

Gibt es Errungenschaften aus Corona-Zeiten, die Sie gerne auch zukünftig nutzen möchten?

Die Möglichkeiten, die Zoom-Konferenzen bieten: zum Austausch (eine tolle Möglichkeit in der BAF-Runde), aber auch zur Information (wir werden im Team eine Veranstaltung zum WGT per Zoom anbieten).

Ein Ausblick in die Zukunft: Was brennt Ihnen besonders unter den Nägeln, wenn Sie an die evangelische Frauenarbeit der Zukunft denken?

Die große Frage überhaupt lautet: Wie erreichen wir jüngere Frauen/Menschen? Können wir als Generation 60+ überhaupt Angebote für junge Frauen machen? Oder anders: Was können wir jungen Frauen (an)bieten?
Wie können wir erreichen, dass es möglich ist, sich über eigene Glaubenserfahrungen auszutauschen?

Frau Fritz, herzlichen Dank für Ihre Antworten!

Beitragsfoto: pixabay

Mirjam Hübner
Mirjam Hübner
mirjam.huebner@online.de

Mirjam Hübner ist freiberufliche Journalistin und Kommunikationstrainerin. Sie berät die Evangelischen Frauen in Württemberg bei der Kommunikation in sozialen Medien und der Pressearbeit zum Jubiläum. In ihrer Freizeit wandert und liest sie gerne - am liebsten mehrere Bücher gleichzeitig.

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