Ohne Gesundheit ist alles nichts!

Die alte Wahrheit, dass die Gesundheit die Basis für ein gelingendes Leben ist, gilt ganz besonders auch für Frauen. Wir haben mit Janina Mangelsdorf, Landesreferentin bei EFW, zum Internationalen Tag der Frauengesundheit gesprochen.

Janina Mangelsdorf

Frau Mangelsdorf, warum brauchen wir einen Internationalen Tag für Frauengesundheit?

Den Internationalen Tag der Frauengesundheit gibt es seit etwa 30 Jahren weltweit. Die meisten Gesellschaften auf der Welt sind patriarchisch organisiert und Frauen und insbesondere deren Rechte in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit sind dadurch bis heute eingeschränkt. Beispiele dafür sind die Verweigerung des Rechts auf Zugang zu sicheren und legalen Abtreibungsdiensten, Zwangssterilisationen, Gewalt in der Geburtshilfe oder die Verweigerung des Zugangs zu Verhütungsmitteln. Darauf wollen die Initiator*innen des Internationalen Tages der Frauengesundheit aufmerksam machen.

Was verstehen wir heute unter geschlechtsneutraler Medizin und welche Nachteile entstehen dadurch?

Seit Beginn der Gesundheitsforschung wurden der Mann und der männliche Körper als Standard definiert und die Ergebnisse auf alle Menschen, also Männer und Frauen, übertragen. Heute weiß man aber, das es biologische und  soziokulturelle Unterschiede in Bezug auf Krankheiten, deren Therapie und auch in der Prävention gibt. Relativ bekannt sind z. B. die unterschiedlichen Symptome eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern. Hier kann es wirklich lebensbedrohlich werden, wenn nicht geschlechtssensibel vorgegangen wird. Aber auch Medikamente wirken bei Männern und Frauen unterschiedlich. Und zu guter Letzt ist auch unser Gesundheitsbewusstsein, also wie wir mit den Themen Gesundheit und Krankheit umgehen, geschlechtergeprägt.

Welche Angebote machen die Evangelischen Frauen in Württemberg im Bereich Frauengesundheit? Wie ist die Resonanz?

Die Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW) haben ein aktives Netzwerk Frauengesundheit, in dem die Akteur*innen aus den verschiedenen Bereichen der Landeskirche und Diakonie, welche sich mit Aspekte der Frauengesundheit beschäftigen, vernetzt sind. Dazu gehören die Ev. Müttergenesung, das Dorf- und Familienhelferinnenwerk, die Pua-Fachberatungsstelle der Diakonie und weitere. Bisher wurde erfolgreich ein Fachtag zum Thema „Gesund Führen“ angeboten. Für 2021 ist ein weitere Fachtag zum Themenbereich „Mütterlichkeit und Reproduktionsmedizin“ geplant. Des Weiteren veröffentlichen wir auf unserer Webseite Informationen zu aktuellen Gesundheitsthemen, die wir aus christlicher Sicht beleuchten.

Welche Vision von Frauengesundheit haben Sie für die kommenden fünf, zehn und 20 Jahre? Für unsere Gesellschaft aber auch international?

Global wünsche ich mir für alle Frauen, dass sie selbstbestimmt über ihren Körper, ihre Sexualität und ihr Leben verfügen können. Das bedeutet ganz klar Aufklärung und Empowerment, sowie auch strukturelle Veränderungen und Zugang zu Medikamenten und medizinischen Behandlungen. Damit wäre schon viel geschafft. Des Weiteren wäre in Deutschland, das diese Zugänge weitestgehend bereits hat,  eine Förderung des Bewusstseins für geschlechtsspezifische Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung wichtig. Hier müssten vor allem die Wissenschaft und die Politik, das Problem der Gendermedizin anerkennen und wirksamere Strukturen und finanzielle Forschungsförderung schaffen. Wir haben gerade in der Medizin, trotz 70 Prozent weiblicher Medizinstudierenden, noch eine starke Männerdominanz in den Fachgesellschaften und auch bei der Forschung, wird kaum auf Genderaspekte eingegangen.

Frau Mangelsdorf, danke für Ihre Antworten!

Quellen:

https://ze.tt/warum-geschlechtssensible-medizin-leben-retten-kann/

https://www.frauengesundheitsportal.de/qualitaet/konzept/

https://www.aerztinnenbund.de/Geschlechtsspezifisc.0.329.1.html

http://www.may28.org/

Beitragsfoto: pexels, Portrait Mangelsdorf: EFW

Mirjam Hübner
Mirjam Hübner
mirjam.huebner@online.de

Mirjam Hübner ist freiberufliche Journalistin und Kommunikationstrainerin. Sie berät die Evangelischen Frauen in Württemberg bei der Kommunikation in sozialen Medien und der Pressearbeit zum Jubiläum. In ihrer Freizeit wandert und liest sie gerne - am liebsten mehrere Bücher gleichzeitig.

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