Danke, Linda Zervakis! Danke, Peter Stolterfoht!

Kathrin berichtet über den Abschied vom Alltag und dem Home-Office aus der Corona-Zeit. Eine Erkenntnis:  Im Moment sitzen wir irgendwie alle im selben Boot.

Wer kennt sie nicht, die schöne Tagesschausprecherin – sympathisch, gut aussehend, in Talkshows klug, wortgewandt und lustig. Als ich kürzlich abends nicht zur Ruhe komme und über die Website der ‚Gala‘ surfe, begegnet mir Linda Zervakis ganz anders: mit Mütze, den Kopf auf die Hände gebettet, neben einem Memory-Spiel. Erschöpfung pur. Und ich glaube, die (tolle) Küche im Hintergrund ist ein kleines bisschen unordentlich. Danke, Linda! Schade, dass einige Kommentare ihrer Follower so unverschämt sind.

Ich jedenfalls finde mich in diesem Foto zu 150 Prozent wieder. Zwar habe ich noch nie so schön ausgesehen wie Linda. Aber ich arbeite auch nicht beim Fernsehen. Im Gegenteil: Ich arbeite im Augenblick Zuhause. Gemeinsam mit meinem Mann und meinen drei Söhnen betreibe ich nun eine „jung-dynamische Bürogemeinschaft“, wie Peter Stolterfoht es in der Stuttgarter Zeitung vom 23.03.2020/die Dritte Seite so schön beschreibt. Er notiert allerdings auch, dass seine Söhne „eine ganz andere Vorstellung von einem angenehmen Betriebsklima haben. Sie sind Vertreter einer emotional-kommunikativen Arbeitsweise, gleichzeitig brauche ich eher meine Ruhe.“ Passt für mich. Danke, Peter!

Mit verschiedenen Aufgaben jonglieren

Wieder spricht mir jemand aus der Seele. Ich habe also Anteile von Linda Zervakis und Peter Stolterfoht in mir gebündelt! Oder, anders formuliert: Manchen Menschen, manchen Familien geht es genauso wie mir, wie uns. Wir haben die Bürogemeinschaft nicht freiwillig gewählt, sie wurde uns von Corona übergestülpt. Arbeitstage werden plötzlich sehr, sehr lang, weil die Jobs über den ganzen Tag und Abend sowie das Wochenende verteilt werden müssen. Vielleicht fehlt ein richtiger Arbeitsplatz, ein zusätzlicher Laptop oder die digitale Ausstattung ist gar nicht vollumfänglich funktionsfähig. Das stresst!

Zwischendurch wird jongliert mit Moodle, Hausaufgaben, Vokabellernen, Projekt- und Textarbeiten, Discord-, Telefon- und Videokonferenzen, Tür auf/Tür zu, Mittagessenkochen und Kuchenbacken, Sport mit Youtube, Spielespielen, Streitschlichten, Aufräumen, Wäschewaschen und Putzen, manchmal Einkaufen und Desinfizieren. Nicht zu vergessen der emotionale Part: Angstnehmen, Beruhigen, Informieren und Erklären, Zuhören, Liebhaben, Ablenken. Ein kleines Beispiel: Als der 6.-Klässler mit seinen Arbeiten kämpft, ins Zimmer platzt und mit Tränen in den Augen schimpft: „Ich will jetzt aber weinen!“, um dann genau das auf Mamas Schoß zu tun, wird der eigene Job ganz unwichtig… Prioritäten werden ständig neu vergeben, wir müssen vollendet flexibel agieren.

Kreative Lösungen in Familien: nicht immer einfach

Wer kann dies alles schaffen? Ich glaube, das sind die Mütter und Väter, die Frauen und Männer, die sich Zuhause gemeinsam einbringen. Das sind die Kinder, die sich (immer wieder) motivieren lassen. Das sind die Familien, die sich kreative Lösungswege ausdenken und dabei die Geduld nicht verlieren. Das sind die Eltern, die es schaffen, ihre Kinder im Familienverbund zu halten und nicht mit ihren Freunden spielen zu lassen. Das sind alle diejenigen, die sich Zuhause auf die Nerven gehen und daran – hoffentlich – wachsen. Weil sie selbst Lösungen finden müssen. Weil die Situation für uns alle neu ist. Witzig ist das keineswegs, auch ich wünsche mir meinen routinierten Alltag zurück und meine Söhne vermissen ihre Kumpel sehr. Wenn das jedoch der Preis ist dafür, dass wir alle irgendwann aus dieser Krise wieder heraus finden, dass die Welt sich wieder normaler, Corona-freier dreht, dann halte ich sehr gerne durch.

Und möchte einen Dank anschließen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sogenannten systemkritischen und systemrelevanten Bereiche. Auch hier sind Kinder zu betreuen, Haushalte zu führen. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie diese Menschen, die z.T. sicherlich emotional und körperlich am Anschlag arbeiten, dieses auch noch schaffen. Ich ziehe meinen Hut und sage: Danke!

Foto: Kathrin Fechner

Kathrin Fechner
Kathrin Fechner
fressbefreit@gmail.com

Kathrin Fechner ist Rheinländerin in Stuttgart, außerdem leidenschaftliche Schreiberin zu vielen Themen, die sich insbesondere aus ihrem turbulenten Familienleben mit 3 pubertierenden Söhnen, ihrer Sportbegeisterung und ihrer persönlichen Gesundheitsbiografie ergeben. Über letztere schreibt sie unregelmäßig regelmäßig in ihrem blog „fressbefreit“. Kathrin leistet glücklich Hintergrundarbeit im kirchlichen Dienst.

2 Kommentare
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    Peter Stolterfoht
    Veröffentlicht um 09:39h, 13 Mai Antworten

    Danke für die sympathische Erwähnung in einem schönen Text!

  • Sonja Steinmaier-Berner
    Sonja Steinmaier-Berner
    Veröffentlicht um 12:24h, 03 April Antworten

    Liebe Kathrin, vielen Dank für Deinen tollen Text! Alles Gute weiterhin!

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