Welttag des Kompliments: Heute schon gelobt?

Nichts macht uns glücklicher als ehrliche Wertschätzung: Das finden auch die Initiatoren des Welttags des Kompliments, der jährlich am 1. März begangen wird und seinen Ursprung in den Niederlanden hat.  Warum nur fällt es uns Frauen so schwer, Komplimente anzunehmen?

“Die Jacke steht dir aber besonders gut”, sagte eine liebe Freundin neulich zu mir. “Danke, die hab ich im Schlussverkauf erstanden – war um 50 Prozent herabgesetzt”, hörte ich mich wie selbstverständlich antworten. Warum um alles in der Welt konnte ich das Kompliment nicht einfach annehmen? Woher kam das Bedürfnis nach Rechtfertigung? Der Dank kam mir doch auch recht locker über die Lippen …

Kritik ja, aber bitte (bloß) kein Lob

In meinem Umfeld beobachte ich immer wieder, dass Frauen Kritik aufsaugen wie ein Schwamm – sei es an ihrem Äußeren, ihrer Arbeitsleistung oder einfach ihrem Dasein. Anerkennende Worte oder Lob dagegen gehen geradezu spurlos an ihnen vorüber. Sicher sind die Gründe für dieses Verhalten vielschichtig. Als gemeinsamer Nenner aber scheint sich herauszukristallisieren:

  • eine spezielle Form von Bescheidenheit
  • unbewusste Verhaltensmuster aus der Kindheit (“bloß nicht auffallen – auch nicht im positiven”)
  • ungern im Mittelpunkt stehen
  • zu wenig Eigenliebe!
  • die eigene Leistung als gewöhnlich empfinden (“nichts besonderes sein”)
  • Angst vor Schmeichelei oder Manipulation.

Komplimente als warme Dusche

Es gibt eine wunderschöne Übung aus der Transaktionsanalyse, die in abgewandelter Form mittlerweile sogar im Grundschulunterricht eingesetzt wird. Die Aufgabe besteht darin, das Gegenüber in fünf Minuten ausschließlich mit Komplimenten zu beschenken (“Ich mag Deinen Humor”, “Du hast schöne Augen”, “Wenn Du etwas sagst, bringt mich das zum Nachdenken”). Und zwar möglichst konkret! Was sich aus Sicht des Beschenkten zunächst unangenehm (weil ungewohnt) anfühlen mag, entfaltet bald seine bestärkende Wirkung. Hat ein gelungenes Kompliment nicht immer etwas magisches?

Auch jenseits von Situationen in Seminaren oder Workshops können wir das Annehmen von Komplimenten und Lob üben. Indem wir zunächst einmal persönlich reflektieren, warum uns das manchmal so schwerfällt. Woher kommen die eigene Bescheidenheit oder das Misstrauen gegenüber anderen? Aus dem Bedürfnis nach Unabhängigkeit? Oder aus dem Gefühl, wenig wert zu sein?

Im Anschluss gilt es das Lob oder Kompliment von Herzen anzunehmen. Das bedeutet, sich bewusst zu machen: ich habe dieses Lob verdient und es bereichert meinen Selbstwert. Es gehört ab jetzt zu mir. Und den Dank im Anschluss ohne Widerrede, schlechtes Gewissen oder gar Gegenleistung auszusprechen. Immer und immer wieder, bis es richtig sitzt. Mir ist das am vergangenen Wochenende tatsächlich gelungen. Eine andere liebe Freundin wertschätzte mich mit den Worten: “Deine Gedanken sind für mich wie eine frische Meeresbrise.” Und ich schaffte es, dieses kleine und doch so große Kompliment tatsächlich anzunehmen. Auch wenn es mich ein wenig Überwindung kostete. Wie heißt es doch so schön: Jede große Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Auch die zu mehr Wertschätzung (gerade sich selbst gegenüber).

Start making compliments

Und dann können wir damit beginnen, selbst anerkennende Worte zu verschenken. Und zu ermutigen, wo immer es sich richtig anfühlt. Das einzig Wichtige: es sollte ernst gemeint sein und von Herzen kommen! Ich bin mir sicher, Ihnen fällt sofort ein Mensch ein, der sich über ein Kompliment freuen wird.

Heute schon gelobt?

Fotos: Pixabay (Public Domain), pexels (Public Domain), privat

Mirjam Hübner
Mirjam Hübner
mirjam.huebner@online.de

Mirjam Hübner ist freiberufliche Journalistin und Kommunikationstrainerin. Sie berät die Evangelischen Frauen in Württemberg bei der Kommunikation in sozialen Medien und der Pressearbeit zum Jubiläum. In ihrer Freizeit wandert und liest sie gerne - am liebsten mehrere Bücher gleichzeitig.

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