Warum wir unsere Tochter zur Taufe gebracht haben

Manch einer mag sich wundern, warum mein Mann und ich unsere Tochter im Alter von zweieinhalb Jahren zur Taufe gebracht haben. Wir sind keine regelmäßigen Kirchgänger und meine Zeiten aktiven Engagements in der Jugendarbeit der Gemeinde lagen bereits einige Jahre zurück. Und dennoch – oder gerade deswegen? – sagten wir beide ein deutliches JA zur christlichen Taufe dieses kleinen Menschen.

Warum sollen wir unser Kind taufen lassen?

Die Website der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern bietet einen schönen Überblick der Motive und Gründe. In einigen habe ich mich wiedergefunden:

“Wir müssen nicht alles alleine stemmen”

Unsere Tochter ist ein Sonntagskind. An einem schönen Maitag erblickte sie nach einer unkomplizierten und schnellen Geburt das Licht der Welt. Wir hatten allen Grund zur Freude! Und dennoch war da der “Schrecken der alleinigen Verantwortung”, der mich in der ersten Nacht in der Geburtsklinik anfiel und so schnell nicht wieder verließ. Würde ich eine gute Mutter sein und dieser Verantwortung gerecht werden?

Bei der Taufe unserer Tochter hatte ich das Gefühl, etwas von dieser Verantwortung teilen zu können. Mit den Taufpaten, aber auch mit einer größeren Gemeinschaft – repräsentiert durch die Gemeinde vor Ort.

“Unser Kind hat Partner fürs Leben”

Das Patenamt ist etwas Großartiges – so steht es auf der oben genannten Website. Ja, das ist es! Ich bin immer wieder dankbar für die Menschen, die meinem Kind neben uns zur Seite stehen. Ob es dazu den kirchlichen Rahmen der Taufe braucht? Für uns erschien er absolut stimmig. Bis heute bin ich froh über die Toleranz des Pfarrers unserer Heimatgemeinde, der meine Tochter taufte. Eine der Patinnen war bereits vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten und durfte dennoch mit uns vor das Taufbecken treten. Auch ohne die christliche Tauffrage zu beantworten, war sie damit offensichtlich Teil der Gemeinschaft. Und wird mein Mädchen auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten – da bin ich mir ziemlich sicher.

“Soll sich unser Kind nicht später selbst für oder gegen den christlichen Glauben entscheiden?”

Diese Frage beschäftigte uns tatsächlich. Ich weiß nicht, ob meine Tochter später als Christin leben will oder sich vielleicht dem Buddhismus näher fühlen wird. Vielleicht wird sie auch atheistisch oder agnostisch denken? Ich hoffe, dass ich als Mutter jeden ihrer Wege respektieren werde. Und dennoch: wir müssen etwas kennen, bevor wir ihm den Rücken kehren. Die Taufe stellt das Fundament dar, um sich in Gemeinde und Religionsunterricht mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen. Unsere Tochter soll die Möglichkeit dazu haben, weil sie in diesem Kulturkreis zunächst einmal zu Hause ist.

Später will ich dann mit Khalil Gibran sagen: “Eure Kinder sind nicht eure Kinder. Sie sind die Söhne und die Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.”

“Wir haben einen Anlass, die ganze Familie zusammenzurufen.”

Was zunächst banal klingt, hat sich in unserem Falle als “von Herzen wahr” erwiesen. Tatsächlich war die Tauffeier unserer Tochter der Anlass für ein in dieser Form einmaliges Zusammentreffen lieber Menschen – von Familie, Freunden und Wahlverwandten. Mir liegt der erweiterte Familienbegriff sehr am Herzen, da ich von der Bedeutung der sozialen Verwandtschaft überzeugt bin. Ich wünsche mir, dass wir unserem Mädchen mit ihrer Lebensfeier symbolisch zeigen konnten: “Family ist not (only) about blood.  It is about who is willing to hold your hand when you need it the most.”

Fotos: privat, Pixabay Public Domain

Mirjam Hübner
Mirjam Hübner
mirjam.huebner@online.de

Mirjam Hübner ist freiberufliche Journalistin und Kommunikationstrainerin. Sie berät die Evangelischen Frauen in Württemberg bei der Kommunikation in sozialen Medien und der Pressearbeit zum Jubiläum. In ihrer Freizeit wandert und liest sie gerne - am liebsten mehrere Bücher gleichzeitig.

2 Kommentare
  • Kathrin Fechner
    Kathrin Fechner
    Veröffentlicht um 09:51h, 13 Juni Antworten

    Irgendwie bin ich gerade (nochmals) bei diesem Text zur Taufe gelandet. Ich fühle mich absolut angesprochen und finde mich darin wieder – der Text ist so schön!
    Übrigens waren meine beiden älteren Söhne bei ihrer Taufe jeweils eineinhalb und zwei Jahre alt, mein jüngster Sohn war sogar 10. Stets haben wir viel überlegt, die Paten eingezogen, manchmal gezweifelt, uns auch sehr gefreut. Wir haben sehr bewusst ganz wunderbare Lebensfeiern erlebt. Und fühlen uns tatsächlich begleitet von Freunden, Paten, Familie und den verschiedenen Gemeinden, in denen wir zuhause sind. Danke für den Text als Impuls für eigene schöne Erinnerungen!

    • Mirjam Hübner
      Mirjam Hübner
      Veröffentlicht um 09:59h, 28 Juni Antworten

      Das freut mich sehr, liebe Kathrin! Danke auch für den Begriff der Lebensfeier. So habe ich es tatsächlich auch empfunden …

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