Saskia Ulmer über ihre Zeit beim Landesfrauenrat: Danke an all die starken Frauen!

Unsere Kollegin Saskia Ulmer ist seit kurzem im Mutterschutz. Kurz zuvor haben wir mit ihr über ihre Zeit beim Landesfrauenrat gesprochen.

 

Liebe Saskia, Du warst in den vergangenen drei Jahren stellvertretenden Vorsitzende des Landesfrauenrates.
Wenn Du auf die drei Jahre zurückschaust, was war Dein wichtigstes Erlebnis?
Für mich war das prägendste Ereignis das Jubiläum zu 100 Jahre Frauenwahlrecht, das quasi zeitgleich mit unserem 100-jährigen EFW-Jubiläum stattgefunden hat. Eindrucksvoll war dabei natürlich die große Veranstaltung im Landtag zum Auftakt von 2019, aber für mich persönlich waren die vielen kleineren Veranstaltungen vor Ort sehr wichtig: hier zeigten viele Frauengruppen sehr großes Engagement, hier konnte ich spüren, wie wichtig die Arbeit des Landesfrauenrats ist und wie wir durch zahlreiche – auch evangelische – Frauengruppen getragen werden. Denn eines war im Jubiläumsjahr des Frauenwahlrechts für alle Frauen klar: es ist endlich an der Zeit, dass nach 100 Jahren Frauenwahlrecht endlich auch eine angemessene Frauenbeteiligung stattfindet, sei es in Politik, am Arbeitsplatz oder ganz allgemein der Gesellschaft!

Welche Themen lagen Dir am Herzen und was hat sich verändert in den Bereichen?
Tatsächlich lag mir besonders die Landtagswahlrechtsreform am Herzen, denn nur, wenn Frauen mitbestimmen und angemessen beteiligt sind, können Belange, die uns Frauen angehen, auch angemessen in den Blick genommen werden. Leider hat sich hier nichts ergeben, was absolut enttäuschend ist, insbesondere weil dieses Anliegen Anlass für die Gründung des Landesfrauenrats vor über 50 Jahren war.

Sehr erfreulich ist dagegen, dass sich im Themenbereich „Gewalt an Frauen“ viel bewegt hat. Der Landesfrauenrat setzt sich mit der Leuchtturm-Kampagne #ROTLICHTAUS https://rotlichtaus.de/ schon lange gegen Prostitution als eine Form von Gewalt an Frauen ein. Im vergangenen Jahr (2020) ergab sich hieraus eine gemeinsame Kampagne mit der Stadt Stuttgart, es endstanden Kooperationen und es ist definitiv der Anstoß für eine breite Debatte auch durch den Landesfrauenrat gegeben worden. Dank gebührt an dieser Stelle besonders der Geschäftsstelle des Landesfrauenrats mit Dagmar Digruber und Daniela Schraft, die im Hintergrund die digitale Umsetzung möglich gemacht haben und Monika Barz, die sich inhaltlich immer für das Thema stark gemacht hat.
Auch an anderen Stellen ist das Thema Gewalt an Frauen inzwischen präsenter, die Nummer des Hilfetelefons ist bekannter und auch in Corona-Zeiten ist das – leider auch sehr aktuelle – Thema nie aus dem Blick verloren worden. Hier bin ich sicher, dass wir als Landesfrauenrat mitgewirkt haben. Danke auch an das Sozialministerium, die uns ein toller Partner bei unseren Gleichstellungs- und Gerechtigkeitsthemen waren. Auch das war für mich ein ganz positiver Teil meiner Arbeit im Landesfrauenrat: die Kooperationsbereitschaft der verschiedenen Ministerien, die ich persönlich im Vorfeld nicht in diesem Ausmaß erwartet hätte.

Gab es Dinge, die Du Dir anders gewünscht hättest?
Ja, selbstverständlich. Trotz allen Errungenschaften der letzten drei Jahren wurde mir gerade im Bemühen um mehr Chancengleichheit und eine dazu beitragende Landtagswahlrechtsreform immer wieder deutlich, dass der Einsatz für Gleichstellung auch immer ein Stück ‚Sisyphusarbeit‘ ist. Unsere gesetzten Ziele liegen an vielen Stellen noch immer in weiter Ferne. Besonders enttäuschend: die Landtagswahlrechtsreform stand bereits festgeschrieben im Koalitionsvertrag, doch am Ende wurde sie dem Koalitionsfrieden geopfert.

Was wünscht Du Dir für die zukünftige Arbeit des Landesfrauenrates?
Ich wünsche meinen tollen Vorstandskolleginnen, die jetzt, unterstützt von einer hervorragend aufgestellten Geschäftsstelle, weitermachen, dass sie willige Mitstreiter*innen an den passenden Stellen finden, dass sie unseren Zielen in den nächsten drei Jahren deutlich näher kommen und dass unsere Forderungen gehört und umgesetzt werden! Denn wir Frauen sind über 50% der Gesamtbevölkerung und sollten auch als solche wahrgenommen und betrachtet werden.
Ich wünsche mir auch, dass die Arbeit des Landesfrauenrats als wichtiger Teil der Demokratiearbeit anerkannt wird, denn nur eine Demokratie, in der Männer und Frauen gleichberechtigt sind, ist eine starke Demokratie!

Kannst Du noch kurz zusammenfassen, was die Hauptaufgabe des Landesfrauenrates ist?
Für mich liegt die Hauptaufgabe des Landesfrauenrats Baden-Württemberg darin, allen Frauen im Land eine Stimme zu geben. Wir als Landesfrauenrat vertreten über 50 Mitgliedsorganisationen. Darin liegt aber auch eine große Verantwortung. Deshalb sehe ich es als essentiell an, dass der Landesfrauenrat nie müde wird, den Finger in die Wunde zu legen, auch immer wieder unbequem zu sein und gerade auf landespolitischer Ebene immer wieder auf die Rechte von Frauen zu pochen und die Gleichstellung von Frauen einzufordern. Ebenso gehört es zur Aufgabe des Landesfrauenrats, die besonderen Bedarfe und Nöte von Frauen im Blick zu behalten und immer weiter öffentlich anzuprangern.
Mich hat dieser Auftrag in den vergangenen Jahren stark geprägt und ich merke, dass ich an vielen Stellen kritischer hinschaue, genauer Dinge, Sachlagen und Formulierungen in den Blick nehme. Danke an all die starken Frauen denen ich begegnen durfte und die mich mitgeprägt haben!

Vielen Dank, liebe Saskia!


Sonja Steinmaier-Berner
Sonja Steinmaier-Berner
sonja.steinmaier-berner@elk-wue.de

Sonja Steinmaier-Berner hat mit ihrem Mann einen sechsjährigen Sohn. Sie arbeitet gerne im Garten. Bei EFW ist sie in Teilzeit für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

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