Morgens um 6.16 Uhr werde ich geweckt von meinem Lieblingssohn. Er kriecht zu mir unter die Decke und ich möchte in den wohligen Halbschlaf zurück, da höre ich ihn: „Mama!! Denkst Du auch an viele Dötter?“ Ich bin verwirrt, dann verstehe ich seine Frage: Mit „denken“ meint er „glauben“. „Dötter“ sind „Götter“. Ob ich an viele Götter glaube???? Ich murmele: „Na, nee, ich kenn die anderen ja gar nicht.“ Am Nachmittag führen wir das Gespräch weiter. Paul erklärt, dass er die Römer toll findet, weil ihre Sklaven ihre eigene Religion behalten durften und jeder glauben durfte, was er mag und er das sehr gut findet. [Dankeschön: Wieso? Weshalb? Warum? Bei den Römern] Und er wiederholt nochmal: „Also, ich denk jedenfalls an viele Dötter....

Die Religiöse Erziehung von meinem Sohn ist mir wichtig. Aber es ist nicht so einfach. Was ich oft gemacht habe: Ich habe im Alltag von Gott geredet. Ich habe gesagt, dass Gott die Blätter schön bunt gemacht hat im Herbst. Ich habe im Garten gesagt, dass Gott die Ameise stark gemacht hat. Paul findet das auch alles gut. Im Auto hat er dann mit mir ein Gespräch geführt: „Mama, also ich glaub schon an Gott.“ Ich: „Ah schön, das freut mich, Mausi“. Paul: „Maama, weiß Du auch, warum?“. Ich: „Nee, erzähl mal.“ Paul: „Weil der liebe Gott den Fernseher so gut gemacht hat.“ "Gott hat die Ameise stark gemacht."...

Ich würde am liebsten jeden Sonntag mit meinem Kind in die Kinderkirche. Aber: An den Sonntagen haben wir so viele gute andere Pläne: Familie, Freunde, Urlaub. Und die Gottesdienst-Zeiten passen uns nie, egal wie sie sind. Meine liebe Freundin und Chefin des Krippenspiels in unserer Gemeinde, Sabine, hatte dann schon letztes Jahr die perfekte Idee: Paul spielt mit seiner geliebten Ritter-Rüstung eine kleine Stadtwache im Krippenspiel. Und das war der Beginn von Pauli in der Kinderkirche. Zumindest in der Zeit der Proben. Warum? Na, die Zeiten und die Pläne und so weiter. Aber ja, wir schaffen es auch zwischendurch in die Familiengottesdienste und in die Kinderkirche und es macht mich glücklich, wenn Paul die Lieder kennt und schön schief und laut neben...

Ich bin doppelte Pfarrerstochter, also mein Vater und meine Mutter sind Pfarrerin und Pfarrer. Da war die religiöse Erziehung ziemlich klar: Am Sonntag bin ich begeistert in den Kindergottesdienst, am Karsamstag in die Abendandacht, am Ostersonntag in die Osternacht, Plätzchen gab es erst ab Weihnachten und Weihnachtsdekoration ab dem Morgen des 1. Advents. Das war ganz zauberhaft, wunderschön. Und jetzt kommt mein Problem: Das kriege ich mit meinem Sohn irgendwie nicht hin. Unter dem Schlagwort "Religiöse Erziehung" können Sie lesen, wie ich es trotzdem versuche. [caption id="attachment_242" align="alignnone" width="300"] Kind mit Mama und Oma[/caption]...