Klimafasten: Die tickt doch nicht richtig! Eine Alternative für die Armbanduhr

Kennen Sie das? Sie haben eine Uhr am Handgelenk, die sie lange nicht getragen haben, schauen in der Sitzung auf die Uhr – und es ist immer noch Frühstückszeit. Die tickt nicht richtig.

Ich bin nicht sehr schmuckliebend. Bei erst bester Gelegenheit setze ich Brille, Uhr oder Kette ab und lege sie zur Seite. Zu jedweder Seite. Dumm, wenn ich drei Tage später meine Uhr wieder brauche und wissen sollte, wo sie ist. Dumm auch, wenn mein Mann mich einmal mahnen kann, dass eben alles seinen Platz haben solle. Ja, sag einmal, wer um Himmels Willen schafft das denn? Wenn ich nach Hause komme, stürmen zwei Kinder mit neuen Anliegen auf mich ein, ich checke erst mal den Haushaltsstatus und sortiere die anstehenden Aufgaben. Nebenbei verstaue ich Schuhe, Jacke, Schlüssel (auch bestimmt nicht am rechten Ort) und lausche schon mal den ersten Berichten. Ich weiß schon nach zehn Minuten nicht mehr, wo meine Uhr (und die anderen Dinge) gelandet sind. Aus dieser Not ist eine ganze Sammlung von Uhren erwachsen, aber selbst im Kreis funktioniert das: Im wahllosen Verfahren schnappe ich mir eine Uhr aus dem Vorrat, ab an den Arm, düse los, sitze in der Besprechung und stelle bitter fest, dass das Ding auch nicht mehr richtig tickt. Keine tickt mehr richtig. Also muss eine portable Bürouhr her, die ich mit in Sitzungen nehmen kann, denn nicht immer ist das Handy die Uhr der Wahl. Aber für meine transportable Bürouhr gilt leider dasselbe: Ihre Batterie hält fünf Sitzungen, hat bestimmt in der nächsten schon Aussetzer und tickt auch nicht mehr richtig.

Das ist mir in schöner Regelmäßigkeit passiert. Batterien sind irgendwie immer dann leer, wenn man sie wieder braucht. Die Uhren wandern in die Tasche und hoffen darauf, dass mein Weg mich in nächster Zeit mal an einem Laden vorbeiführt, der weiß, wie diese Uhr zu öffnen ist und eine passende Batterie hat. Von der schlauen Idee, mal einen Vorrat an Batterien zu kaufen, bin ich längst abgekommen. Denn zu glauben, dass alle Uhren identische Batterien haben, ist ein Aberglaube. Also muss ich jedes Mal los. Nicht sehr attraktiv bei 10€-Uhren, einem Vollzeitjob und zwei Schulkindern. Da ist es wirtschaftlicher, sich die nächste 10€-Uhr zu kaufen: mit einer neuen Batterie. Und so wachsen sie in trauter Zweisamkeit: der Uhrenberg und der leergelaufene Batterienberg.
Als ich letztens mal irgendwelche alten Kisten durchsortiert habe, bin ich dann auf die nächste Sammlung gestoßen: diverse abgelegte Uhren meines Mannes, inkl. ein paar Kinderuhren. Bei Letzteren sind es häufig Merchandise-Produkte, die dann in die Ecke fliegen, wenn die Lieblingsheld*innen von gestern einfach out sind. Selten 10€-Uhren, häufig Geschenke, aber auch leere Batterien für nichts.

Das ist doch Quatsch. Totaler Quatsch. Uhren sind der totale Einmalbatterienfresser und die Batterieleistung wird fast nie effektiv genutzt. Natürlich kann ich meine Altbatterien sammeln und in ein aufwändigen Recyclingprozess geben. Aber warum sollte ich überhaupt diesen Haufen Schadstoffe kaufen? Läuft die Batterie aus, sollen am besten Handschuhe verwendet werden (sehr nachhaltig). Wenn kleine Kinder die silbernen Schmarties probieren, ist es dann gar nicht mehr witzig.
Was treibe ich da eigentlich seit Jahren ohne nachzudenken?

Mir ging die Uhr meines Vaters durch den Kopf. Er hat sie gefühlte Ewigkeiten Tag und Nacht, werk- wie sonntags getragen. Sie hatte eine Automatik, die sich bei Bewegung selbständig auflud. Total verlässlich. Das muss es doch heute auch noch geben, dachte ich. Bei nächster Gelegenheit ab in unser örtliches Juweliergeschäft. Tja, die Uhren gibt es, allerdings im Wesentlichen für Männer. Die Mechanik braucht Platz, trägt auf. Welche Frau will den so etwas? Na, mal so eine Frau wie ich. Das hilft mir aber wenig, denn es sind zu wenig Frauen, die dieses Interesse mit mir teilen und damit breitere Produktionslinien rechtfertigen. Eine kleine Auswahl finde ich, leider tatsächlich mit gruseligem rosa-beigem Retro-Design. Und dann der Preis: puh, ab 700 € übersteigt mein Budget für Armbanduhren doch erheblich (gemessen an dem bisherigen 10€-Budget ohnehin). Erst als der verkaufsorientierten Verkäuferin klar war, dass mir das definitiv zu viel ist, fiel ihr ein, dass es tatsächlich Uhren, auch Damenuhren!, gibt, die sich mit Sonnen- und Kunstlicht aufladen. Kostenfaktor: u300. Na, das war doch mal eine Alternative, sogar eine optisch sehr akzeptable.

Damit hatte ich mein Wunsch-Weihnachtsgeschenk und meine Familie eine Weihnachtsgeschenkherausforderung weniger. Jetzt habe ich sie: meine batteriefreie, mit nachhaltiger Energie betriebene Uhr. Ihr Platz ist auch klar: Fensterbank Südseite. Keine Batterien mehr. Keine extra Gänge mehr in irgendwelche Kaufhäuser. Keine Uhr mehr, die zum unpassendsten Moment den Geist aufgibt.
Daran kann ich mich freuen, jeden Tag!

Und wie haltet ihr es mit den Einmalbatterien?

Dina Maria Dierssen
dina.maria.dierssen@elk-wue.de

Dina Maria Dierssen ist 48 Jahre alt. Sie ist Mutter einer 11jährigen Tochter und eines 14jährigen Sohnes, die sie neben der vollen Stelle gut auf Trab halten. Seit 1996 ist sie in der evangelischen Frauenbildungsarbeit unterwegs: zunächst im Kirchenkreis Wetzlar-Braunfels und seit 1999 in Württemberg. Seit 2014 hat sie die Leitung der Evangelischen Frauen in Württemberg (EFW). Wenn ihr etwas Luft bleibt, packt sie hin und wieder ihre Flöte aus. Ihre musikalische Kirchengemeinde macht´s möglich.

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