Kann denn Mode Sünde sein?

Die Interessengemeinschaft Diakoninnen hatte sich eingeklinkt beim Jubiläum zu „100 Jahre Evangelische Frauen in Württemberg“ bei denen wir schon lange Jahre Mitglied sind. Nachdem wir auch Studentinnen und Junge Diakoninnen für unsere Veranstaltungen gewinnen wollten, haben wir uns für dieses Thema entschieden, das aktueller ist denn je und uns in unserer diakonischen Verantwortung betrifft.

Am Donnerstag, den 10.10 konnten wir einen vollen Saal mit Interessierten begrüßen zu einem Vortrag von Kinga Gyökössy-Rudersdorf, die als Referentin für die „Kampagne für saubere Kleidung“ ihren reichen Erfahrungsschatz einbrachte.

Eingestiegen ist sie mit einer Modenschau von traditionellen Frauenkleidern aus verschiedenen Kontinenten. Faszinierend, welche Geschichten diese Kleider über ihre ehemaligen Trägerinnen aussagen. Wie aufwändig und praktisch sie für die Bedürfnisse der Frauen in ihrem jeweiligen Kulturkreis gearbeitet wurden, hat alle beeindruckt.

Anhand von Bildern konnte uns Kinga aufzeigen, wie unsere Altkleider diese traditionellen Bekleidungen verdrängen. Riesige Berge von westlicher Kleidung überschwemmen die Märkte in Afrika und Asien. Diese sind in der Regel günstiger als Landestypische oder wenigstens im eigenen Land hergestellte Kleidung. Und natürlich trägt auch die Globalisierung unserer Medien dazu bei, dass selbst in Afrika, ein T-Shirt mit Ariella der Meerjungfrau begehrt ist.

Die meisten der gesammelten Kleider bei uns gehen diesen kommerziellen Weg, da es viel zu viel abgelegte Kleidung bei uns gibt. Zwar haben wir Kleiderläden auch bei uns, aber die Menge aussortierten Kleidung nimmt stetig zu, der Kreislauf von kaufen, tragen und aussortieren wird immer schneller.

 

Was können wir tun?

Am Samstag, den 26. Oktober haben wir zur Fortsetzung eingeladen. Mit Kleidertausch, verschiedenen Vorträgen und Workshops wollten wir noch mehr wissen über die Möglichkeiten selbst verantwortlich mit Kleidung umzugehen.

In den Workshops konnten wir ausprobieren, was aus Abgelegtem gemacht werden kann, Topflappen aus Trikotstoffstreifen, Kosmetikpads und Wachstücher konnten hergestellt werden.

Dazu kamen noch Vorträge über Einblicke in die Textilabteilung und Verantwortung für Textilien vom Kauf bis zur Spende und darüber hinaus von U. Schönberger, Leiterin der Textilabteilung und Anna Knödler, Sozialarbeiterin Secondhand-Kaufhaus der Aufbaugilde Heilbronn sowie Vorträge von  Kinga Gyökössy-Rudersdorf, Referentin bei Kampagne für Saubere Kleidung zu Fast Fashion, Hintergründe und Produktionsbedingungen und wie Fast Fashion unsere Ressourcen auffrisst.

Besonders bereichernd fand ich die Veranstaltungen durch die Zusammenarbeit der IG Diakonin mit der IG Studierende, der Hochschulgemeinde, der Gruppe „Weltbestimmt“, dem Gebrauchtwarenmarkt der Karlshöhe, dem Secondhandkaufhaus aus Heilbronn. Zu sehen, wie junge Studentinnen sehr aufmerksam auf unsere Ressourcen schauen, und verantwortungsvoll damit umgehen, war ermutigend. So hatten wir am Donnerstagabend einen Imbiss  aus Backwaren aus der Kiste, und Apfelschnitze aus Fallobst. Aktionen, die in meiner und vielleicht auch Eurer Jugend aus dem Mangel heraus notwendig waren und die alle mit Freude ablegten, sind in unserer heutigen Überflussgesellschaft Ausdruck einer bewussten Entscheidung, sorgsam mit Lebensmitteln umzugehen.

Und wie sieht es bei der Kleidung aus? Könnten wir da nicht auch hin und wieder auf das Modisch Neue verzichten, um ein kleines Zeichen zu setzen gegen den Konsumterror.

Lotte Schneider

Gastautorin
Gastautorin
efw@elk-wue.de

Hier im Blog schreiben immer wieder verschiedene Autorinnen aus dem Umfeld von EFW. Wir freuen uns sehr über Beiträge.

1 Kommentar
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    Kathrin Fechner
    Veröffentlicht um 09:03h, 08 Januar Antworten

    Herzlichen Dank für diesen Einblick! Gerne würde ich ergänzen, dass es eine erstarkende Bewegung – sogar in Stuttgart – gibt, die sowohl auf Second Hand-Läden als auch auf nachhaltig produzierte Mode setzt. Leider ist letztere durchaus teuer und für einen Familiengeldbeutel nahezu unerschwinglich. Meine Familie kauft (und verkauft) meist aus 2. Hand – schon früh für die Kinder auf den vielen Kinderkleidermärkten der Region, inzwischen eher im Second Hand-Shop. Ich glaube, dass wir auch so, d.h. jeder einzelne, einen Beitrag leisten können. Dann ist Mode auch keine Sünde, sondern macht sehr viel Spaß!

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