Die Osterbotschaft ganz sichtbar

Der Ostermorgen mit der Auferstehungsfeier am frühen Morgen – das ist für mich die letzten Jahre Tradition geworden.

In den Morgen hineingehen, miteinander, mit mutmachenden und stärkenden Liedern und in Andacht, das macht etwas mit mir, das gibt meinem Osterfest den besonderen Glanz. Deshalb gehe ich die letzten Jahre immer zur Auferstehungsfeier, auch wenn das Aufstehen am frühen Morgen nicht immer nur einfach ist.

Diesen Ostersonntag begrüßen wir wie immer draußen, in Göppingen vor der Oberhofen Kirche direkt vor der kleinen Kapelle auf dem alten Friedhof um die Kirche herum. Das ist der passende Rahmen für die Feier der Auferstehung von Jesus, es ist ein wundervoller Rahmen, in dem der neu anbrechende Tag mit jedem Vogelgezwitscher und jedem Sonnenstrahl die Botschaft von neuem Leben bringt. Oft wird mit im Laufe der Feier ganz warm und leicht um das Herz.

Dabei ist die Botschaft ja nicht nur einfach: ein Mensch stirbt, wir alle werden sterben müssen. Bevor dieses neue, dieses andere Leben kommt, da kommt zuerst der Tod.

An diesem Sonntag predigt der Dekan zum Lied “Somewhere over the Rainbow”, gesungen und interpretiert von Eva Cassidy:

Nehmen Sie sich die Zeit, das Lied anzuhören, stellen Sie sich vor, Sie stehen im Freien, der Tag beginnt, die Grenze zwischen Tag und Nacht ist spürbar, auch Leben und Tod sind näher beieinander als zu anderen Tageszeiten. Wir können uns mit größerer Offenheit vorstellen, dass da tatsächlich “noch mehr” ist, das es noch etwas gibt “über dem Regenbogen”.

Die Schwere des Lieds kommt dann mit der Erläuterung des Dekans zu Eva Cassidy: diese Interpretation von ihr wurde erst posthum veröffentlich, nachdem sie bereits mit 33 Jahren an Krebs gestorben war. Vermutlich wusste Eva Cassidy bei der Aufnahme des Lieds bereits, dass sie bald dieses ferne Land über dem Regenbogen kennenlernen würde. Wir hören eine Vorstellung, eine Art der Glaubens an ein Jenseits, an ein Leben danach, an ein “Mehr” und mich hat das sehr berührt.

Nach dem Ende der Auferstehungsfeier räumte ich noch die Liederbücher mit in die Kirche und dort schien durch den noch hängenden Vorhang das Morgenlicht in den Farben der Kirchenfenster. Und irgendwie konnte ich mit diesem Bild diese diffuse Ahnung einer anderen Welt, die Ahnung von der Botschaft der Auferstehung verbinden und ein wenig begreifen.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie eine gesegnete Osterzeit erleben durften und auch im Alltag immer wieder dieses Wundern und dieses Staunen fühlen können.

Dazu passt das Gedicht, das schon lange neben meinem Schreibtisch steht, von Marie Luise Kaschnitz:

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf

Mitten am Tage

Mit unserem lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.

Keine Fata Morgana von Palmen

Mit weidenden Löwen

Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken

Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht

Und dennoch unverwundbar

Geordnet in geheimnisvolle Ordnung

Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Saskia Ulmer
Saskia Ulmer
saskia.ulmer@elk-wue.de

Saskia Ulmer ist Landesreferentin bei den EFW und zuständig für den Bereich Verbandsarbeit und Frauenpolitik innerhalb des Arbeitsfelds Kirche und Gesellschaft. Zurzeit ist sie in Elternzeit, schreibt aber hin- und wieder gerne als „Gastautorin“. Ihr Hobby, gemeinsam mit Ihrem Mann die Stuttgart Scorpions Sisters zu trainieren, betreibt sie ebenso weiter wie sie weiterhin ihr Ehrenamt als Zweite Vorsitzende im Landesfrauenrat bekleiden wird.

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