Klimafasten Woche 7: Eine Woche Zeit für nachhaltige Monatshygiene

Erdbeerwoche, seine Tage haben, auf der roten Welle surfen, Periode, Schmollwoche, Besuch von der roten Tante, all das sind Bezeichnung für den natürlichen Vorgang der Menstruation der Frau.
In der Pubertät wird klar, dass wir, bei aller sozialer Gleichberechtigung, doch biologisch-körperliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern haben, die man nicht verleugnen kann. Die Hormone kommen in Schwung und meist zwischen 11 und 14 Jahren beginnt bei Frauen das „weibliche Lebensblut“ zu fließen und sie bekommen zum ersten Mal ihre Menstruation. Dieses Phänomen, das Frauen immer wieder daran erinnert, dass sie das Wunder des Lebens schenken können, begleitet sie die nächsten 35-40 Jahre. Etwa unglaubliche 500 Mal menstruiert eine Frau durchschnittliche in ihrem Leben, bis dann etwa zwischen 45 und 55 Jahren mit den Wechseljahren ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

Wow, denke ich mir während ich das schreibe. Was für eine Leistung der Körper doch vollbringen kann und dabei habe ich noch gar nicht über die Zeiten ohne Menstruation, also Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit, gesprochen. Ich bin immer wieder tief beeindruckt, was für ein Geschenk wir Frauen mit unserem weiblichen Körper bekommen haben. 

Na ja, werden jetzt einige von Ihnen sagen und ja, auch ich kenne die schwierigen Zeiten mit Schmerzen, Unwohlsein, Hormonschwankungen und all den anderen unangenehmen Nebenwirkungen, wo man diesen wundervollen weiblichen Körper mit all seinen Vorgängen sonst wohin wünschen könnte. Nichtsdestotrotz will ich gerne meinen Blick auf die positiven Aspekte lenken, denn das ist gerade bei der Menstruation nicht selbstverständlich.
Betrachtet man die Geschichte, dann galt die menstruierende Frau lange und in manchen Teilen der Welt bis heute als unrein. Auch in der Bibel finden sich an mehreren Stellen diese Aussagen. Frauen wurde während dieser besonderen Zeit häufig von sozialen Zusammenkünften ausgeschlossen und musste isoliert leben. Auch waren die hygienischen Verhältnisse viele Jahrhunderte nicht gerade rosig, ganz zu schweigen von den vorhandenen oder nicht vorhandene Monatshygieneartikeln.

Heutzutage sieht das zum Glück anders aus. Überall bekommt Frau Tampons, Binden usw. in den unterschiedlichsten Ausführungen, Stärken, Farben, Formen und Größen zu kaufen. Was für ein Segen! Jetzt aber kommt der Haken an der Sache: Die meisten Monatshygieneprodukte sind Einmal- bzw. Wegwerfartikel. Aus hygienischer Sicht eine sinnvolle Sache, denn die Infektionsgefahr bei einer „offenen Wunde“, wie man die Ablösung der Schleimhaut aus der Gebärmutter auch verstehen kann, ist hoch. Und wir haben ja aus der Geschichte gelernt, dass Hygiene Leben retten kann. Nicht umsonst wird Ignaz Philipp Semmelweis, der Erfinder der Hygienevorschriften, „Retter der Mütter“ genannt. Betrachten wir die Sachlage aber aus der nachhaltig-ökologischen Perspektive, so wird schnell klar, dass wir hier einen riesigen, ressourcenfressenden Müllberg produzieren.
Tja, wie soll man nun mit diesem Dilemma umgehen?

Diese Frage stellen sich im Zuge der Nachhaltigkeitsbewegung inzwischen viele Frauen.. Der Markt hatte dazu nur wenig zufriedenstellende Antworten und so nahmen die Frauen (wie so oft) die Sache selbst in die Hand. Seit einigen Jahren gibt es mehrere kleine Unternehmen, die sich sowohl auf die Bereitstellung nachhaltiger Monatshygieneprodukte spezialisiert haben als auch auf die umfassende Aufklärung, unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, über die biologischen Vorgänge in Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus und der Menstruation. Die Devise der erdbeerwoche GmbH fasst meiner Meinung nach die hierwichtigen Punkte gut zusammen: „Um selbstbestimmt mit unserem Zyklus und der Menstruation umzugehen, müssen wir darüber Bescheid wissen. Außerdem sollten wir die Vor- und Nachteile aller Menstruationsprodukte wissen und Alternativen kennen. Wissen ist Periodenmacht!“
Und so finden wir bei all den Anbieter*innen bis zu 10 Jahre wiederverwendbare Menstruationstassen, waschbare Stoffbinden in fröhlichen Farben, Bio-Tampons, -Binden und -Slipeinlagen aus Baumwolle ohne Plastik, so wie Periodenslips.

Wie bei allen Bemühungen zum Thema nachhaltiger Leben müssen wir uns nicht gleich komplett umstellen und alles, was wir bisher gewöhnt sind und mit was wir gut zurechtkommen, über Bord werfen. Aber ich lade Sie, liebe Leser*innen, ein, neugierig und mutig zu sein. Probieren Sie neue nachhaltige Monatshygieneprodukte aus und sprechen Sie mit Ihren Freundinnen, Töchtern, Nichten und Enkelinnen darüber. Wir Frauen als Hälfte der Weltbevölkerung haben eine nicht zu unterschätzende Markt-Macht, diesen frauenspezifischen Lebensbereich nachhaltiger, klima- und geschlechtergerechter zu gestalten. Belassen wir es nicht nur bei der Senkung der Tamponsteuer, sondern lassen Sie uns auch den Rest noch regeln! 😉
Herzliche Grüße
Ihre Janina Mangelsdorf

Weiterführende Links:
https://erdbeerwoche.com/meine-produkte/
https://www.bloodmilla.de/

Janina Mangelsdorf
Janina Mangelsdorf
janina.mangelsdorf@elk-wue.de

Janina Mangelsdorf ist 32 Jahre alt. Sie ist Erwachsenenbildnerin und bei den Evangelischen Frauen in Württemberg besonders für Frauengesundheit und Flüchtlingsfrauen zuständig. Durch ihre Ausbildung zur Medizinisch-technischen Laboratoriumsassistentin liegt ihr alles was mit Gesundheit und Medizin zu tun hat sehr am Herzen. Als bekennender Stadtmensch liebt sie ihr Stuttgart, reist aber auch sehr gerne nach Lettland, da sie lettisch-ungarische Wurzeln hat. Sie ist in ihrer Kirchengemeinde in Degerloch seit vielen Jahren in der Kinder- und Teenykirche und im Kirchengemeinderat aktiv. Und zu guter Letzt ist sie stolze dreifach Patentante und liebt es mit ihren Patenkindern Ausflüge zu machen.

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