Einbezogen in den großen Plan Gottes

Gudrun Keller-Fahlbusch im Telefoninterview mit Marianne Klett aus Ravensburg:

Liebe Marianne, ich kenne dich als sehr aktive Frau in der Arbeit mit Frauen. Erzähle mir doch einmal wie du dazu gekommen bist.

Ich bin seit 1979 aktiv in der Frauenarbeit. Damals war mein Mann als Pfarrer nach Ravensburg gekommen und ich erlebte einen Umbruch in der Arbeit mit Frauen in der Gemeinde. So wurden wir Pfarrfrauen gefragt, etwas für Frauen anzubieten. Es entstand ein „Abend für die Frau“, einmal im Monat. Das war für mich neu. Aber das Angebot wurde angenommen, so ca. 20 Frauen besuchten die Veranstaltung, die wir im Team sorgfältig vorbereitet hatten. Ich kannte bisher überwiegend nur den Weltgebetstag für Frauen. Auch für mich stellte sich nun die Frage „welche Themen bewegen Frauen“.

Ich wurde dann in das Bezirksteam des Frauenwerks gewählt und sah hier meine Verantwortung in der Mitarbeit bei Fortbildungen von Multiplikatorinnen für die Arbeit in den Gemeinden, insbesondere auch für den Weltgebetstag. In diesem speziellen Arbeitsbereich bin ich bis heute noch aktiv. Da waren für uns die Anregungen und Ausarbeitungen für die gemeindebezogene Arbeit des Frauenwerks in Stuttgart wichtig. Was brauchen Frauen, welche Themen sind gerade relevant?

1997/98 wurde ich dann auch für das Leitungsteam des Frauenwerks in Stuttgart vorgeschlagen. Zu dieser Zeit gab es noch zwei „Schienen“ der Arbeit mit Frauen, Das Frauenwerk und die Frauenarbeit. Das war aber auch die Zeit, in der bereits Fusionsüberlegungen im Gange waren, beide „Züge“ sollten auf eine „Schiene“ gebracht werden. Es war die Zeit umfangreicher Strukturarbeit und Formulierung, Umformulierung und Neufassung der Satzung und Wahlordnung Anfang der 2000er Jahre, bis hin zur Einreichung an den OKR mit offizieller Genehmigung, und schließlich dann die Verabschiedung und Genehmigung bei der Hauptversammlung 2006. Von 2009 bis 2012 war ich bei EFW auch stellvertretende Vorsitzende. Da wurde die Ordnung nochmals überprüft und geändert.

Was war dir in der Arbeit mit Frauen wichtig?

Mir war wichtig, dass ein geschützter Raum für Frauen geschaffen wurde, in dem sie unter sich ihre Frauenthemen diskutieren und sich dabei gegenseitig stützen und weiterbringen konnten. In unserer altersgemischten Frauengruppe profitierten die Jüngeren auch von den Erfahrungen der Älteren. Leider geht der Trend mehr zu altersgleichen Gruppen, wenn überhaupt noch solche Gruppentreffen stattfinden.

Welchen Herausforderungen musstest du dich stellen?

Ich bin wie gesagt, damals als junge Pfarrfrau ohne Vorerfahrung in die Arbeit hineingerutscht. Aber ich denke, ich habe bei den Vorbereitungen der Themen für die Frauen, am meisten selber profitiert. Es hat Spaß gemacht, sich zu den Themen Gedanken zu machen, sie weiter zu entwickeln, sich damit auseinander zu setzen. Das war wirklich Frucht bringend.

Dann war die ganze Strukturarbeit schon eine Herausforderung, aber es passte zu mir, ich habe sie gerne gemacht. Und der zeitliche Aufwand, vor allem als stellvertretende Vorsitzende war enorm. Die Arbeit an der neuen Struktur der Ev. Frauen in Württemberg (EFW) war ein intensiver Prozess. Ich bin im letzten Jahr meiner Tätigkeit bei EFW fast jede Woche nach Stuttgart zu Gesprächen, Sitzungen oder auch zum OKR gefahren – und ich bin ja aus Ravensburg.

Was hat dir besonders Freude bereitet?

Die Atmosphäre in Frauengruppen und in EFW sind ganz besonders. Das Mitdenken an Themen und Programmen für die Frauen und der Austausch darüber brachte mir eine große Bereicherung und Befriedigung. In dieser Arbeit wächst auch Vertrauen und freundschaftliche Verbundenheit untereinander.

Welche Herausforderungen für Frauen siehst du heute?

Junge Frauen sind heute sehr eingespannt, das Zeitbüdget ist sehr knapp. Da wird der Austausch in Frauengruppen als überflüssig angesehen. Oft gehen junge Frauen in der Freizeit zum Sport oder zur VHS zum Beispiel für Sprachkurse. Der Gedankenaustausch in Frauengruppen gerät ins Hintertreffen. Meist merken die Frauen erst spät, dass die Seele auch Nahrung braucht.

Was würdest du heute Frauen mit auf den Weg geben?

„Bewahrt euch einen persönlichen Freiraum“. Der Job und die Karriere und die Familienplanung sind wichtig, fressen aber viel Zeit. So nehmen sich Frauen erst dann Zeit für sich selbst, wenn die Kinder aus dem gröbsten heraus sind. Es ist aber genau so wichtig, mit sich selbst ins Gespräch zu kommen.                                                                                                                                 Außerdem wird in Zukunft auch die Auseinandersetzung und der Austausch über die Rollenverständnisse von Frauen und Männern wichtiger werden. Nur gemeinsam werden wir die Ausgewogenheit in unserer Gesellschaft erreichen.

Wie würdest du das Thema  „Gewoben in Gottes Geschichte“ auf dich beziehen?

Ein Gewebe besteht aus vielen verschiedenen Fäden. Zieht man an einem, kann ein Muster entstehen, aber es kann auch kaputtgehen. Jede*r ist darin mit ihrem/seinem Faden verankert. Das ist mein Glaube, dass wir alle eingewoben und gehalten sind, einbezogen in den großen Plan Gottes.

 

 

Das Telefon-Interview führte Gudrun Keller-Fahlbusch am 21.2.2019

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Gurdun Keller-Fahlbusch
keller-fahlbusch@web.de

Gudrun Keller-Fahlbusch ist Diakonin und Präsidiumsmitglied bei den EFW. Sie war und ist vielfältig ehrenamtlich engagiert, insbesondere natürlich in der evangelischen Frauenarbeit. Besonders prägend waren für sie ihre Auslandsjahre in Gemeinden im Libanon und in der Türkei in Istanbul und Alanya an der Ostküste der Türkei. Hier wurde sie fest in die christliche Ökumene eingewoben.

1 Kommentar
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    Roswitha Eberbach
    Veröffentlicht um 11:16h, 08 März Antworten

    Ich finde das Interview gut gelungen und informativ! Roswitha

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