Passionszeit mit Gudrun Keller-Fahlbusch: Anderen helfen und sie ermutigen

Fasten, sich zurücknehmen, auf manches verzichten, bewusster leben. Neues ausprobieren.Minimalismus ist in, die Tiny-Haus Bewegung boomt, Bio-Öko Ernährung aus heimischem Anbau, Car-sharing, Müll und Plastik vermeiden, saubere Kleidung, Label beachten ist in vieler Munde.

Wir leben in einer Überflussgesellschaft und viele von uns müssen nicht auf den Preis schauen. Und doch wollen wir vieles so billig und so einfach wie möglich erhalten.

Wo laufe ich einfach mit, was sind unbewusste Gewohnheiten. Die Fastenzeit kann Anlass und Zeit sein, einmal hinter die Kulissen zu schauen, sich über die Realitäten und Ausmaß, sowie Folgen unseres Verhaltens zu informieren, darüber nachzudenken und sich neu zu orientieren, religiös gesagt, nach einem Gott gefälligen Leben zu fragen.

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. 46 Tage sind es von Aschermittwoch bis Ostern, traditionell wird aber nur an 40 Tagen gefastet. Die Sonntage sind als Freudentage ausgenommen. In der Bibel ist 40 eine symbolische Zahl. Jesus war 40 Tage in der Wüste und das Volk Gottes wanderte 40 Jahre durch die Wüste, bis es das Gelobte Land erreichte. Und so sind auch mir 40 Tage angeboten für Innehalten, Konzentration, Zeit für Gott. Ich darf meinen Blick nach innen wenden, um dann wieder gestärkt nach außen zu gehen.

Passionszeit – Leidenszeit

Das Wort Passion hat ja eine Doppelbedeutung: Leiden und auch Leidenschaftlichkeit. Dorothee Sölle sieht in diesem doppelten Sinn die erstaunliche Wirkungsgeschichte der Botschaft Jesu: Seine „Passion ist die Leidensgeschichte eines zu Tode Gefolterten und zugleich die Leidenschaft eines Verrückten, der die Liebe zum Leben in seiner Fülle für alle nicht aufgeben konnte.“

Jeder der Evangelisten legt in der Passionsgeschichte einen anderen Schwerpunkt. So lese ich bei Markus das Festhalten an Gott in aller Trostlosigkeit und Verlassenheit. Lukas betont beim Sterben Jesu die Feindesliebe und die Versöhnung, und bei Johannes regelt Jesus die Fürsorge für die Hinterbliebenen. Er vertraut uns gegenseitig uns an. „Jede*r ist dem anderen Mutter, jede*r ist ein Getrösteter.“

Passionszeit – Zeit der Neubestimmung

Unsere Welt mit Hunger, Verelendung, und immer weiter wachsender Gewalt – wo ist mein Platz in dieser Gesellschaft, wer oder was ist mir anvertraut. In der Nachfolge Jesu will ich Anderen helfen, ihnen Mut machen, sie auf ihre Ressourcen ansprechen und sie ermutigen sich in aller Freiheit in Gesellschaft und Kirche einzubringen. In der Passionszeit kann ich mir Zeit nehmen darüber nachzusinnen.

„Mal ehrlich! Sieben Wochen ohne Lügen“ heißt dieses Jahr das Motto der Fastenaktion 7 Wochen ohne. Sie nimmt unter anderem die Themenbereiche „Die Wahrheit suchen und erkennen, ehrlich zu einander sein, sich selbst nicht belügen, für die Wahrheit streiten“ auf. Ja, ich denke dieses Thema ist sehr aktuell in einer Zeit in der es „alternative Wahrheiten“ gibt und viele Wahrheiten finanzbestimmt sind, und viele sich in die eigene Tasche lügen.

Wer oder was ist mir anvertraut, ich möchte mir Zeit nehmen, Antworten und Ansätze finden. Es gibt schon viele Bewegungen und Aktionsbereiche um mich herum, in welche ich passe, das will ich heraus finden und mich hinein nehmen lassen.

 

Bilder: pixabay, public domain

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Gurdun Keller-Fahlbusch
keller-fahlbusch@web.de

Gudrun Keller-Fahlbusch ist Diakonin und Präsidiumsmitglied bei den EFW. Sie war und ist vielfältig ehrenamtlich engagiert, insbesondere natürlich in der evangelischen Frauenarbeit. Besonders prägend waren für sie ihre Auslandsjahre in Gemeinden im Libanon und in der Türkei in Istanbul und Alanya an der Ostküste der Türkei. Hier wurde sie fest in die christliche Ökumene eingewoben.

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